Open Fiber Austria: Glasfaserausbau braucht Weitblick statt Scheinlösungen

Martin Wachutka

Unterirdische Glasfaser, nachhaltige und ausgewogene Finanzierungsmodelle und offene Netze sind zentrale Voraussetzungen für eine flächendeckende und wirtschaftlich sinnvolle  FTTH-Versorgung in Österreich.

Die aktuelle Debatte um den Glasfaserausbau zeigt, wie groß der Handlungsdruck geworden ist. In den vergangenen Tagen wurde wiederholt vor gefährdeten Investitionen, zu hohen Ausbaukosten und einem drohenden Zurückfallen Österreichs bei digitaler Infrastruktur gewarnt. Aus Sicht der Open Fiber Austria ist diese Diskussion notwendig – sie darf sich jedoch nicht alleine auf kurzfristige Einsparungen konzentrieren. 

„Beim Glasfaserausbau darf nicht allein der unmittelbare Errichtungsaufwand im Mittelpunkt stehen. Entscheidend ist, wie zuverlässig und wirtschaftlich ein Netz über Jahrzehnte  betrieben werden kann“, betont Martin Wachutka, Vizepräsident der Open Fiber Austria. „Gerade in einem Hochlohnland mit anspruchsvoller Topografie müssen Betriebskosten, Wartungsaufwand, Versorgungssicherheit und Resilienz von Anfang an Teil der Rechnung sein.“ 

Unterirdischer Ausbau schützt Versorgungssicherheit und senkt Folgekosten

Oberirdische Verlegung über Masten wirkt auf den ersten Blick oft günstiger. Für Österreich ist sie jedoch keine flächendeckend tragfähige Antwort. Gerade in alpinen Regionen sind Leitungen stärker Wetterextremen wie Eislast, Wind und Schneebruch ausgesetzt. Gleichzeitig steigt das Risiko mechanischer Schäden. Damit steigt die Störanfälligkeit – ein entscheidender Nachteil für eine kritische Infrastruktur, auf die Wirtschaft, Verwaltung, Bildungseinrichtungen und private Haushalte tagtäglich angewiesen sind. 

„Unterirdische Glasfasernetze bieten höhere Versorgungssicherheit und einen deutlich geringeren Wartungsaufwand“, so Wachutka. „Ihre niedrigen laufenden Kosten tragen wesentlich zu stabilen Gebühren bei und stärken damit die Akzeptanz einer Infrastruktur, die künftig täglich gebraucht wird.“ 

Landesgesellschaften lösen strukturelle Ausbauprobleme

Eine zentrale Rolle kommt aus Sicht der Open Fiber Austria den Landesgesellschaften zu. Sie wurden nicht geschaffen, um private Investitionen zu verdrängen, sondern um den Ausbau dort zu ermöglichen, wo der Markt allein keine flächendeckende FTTH-Versorgung sicherstellen kann.

„Landesgesellschaften sind kein Gegenmodell zum Markt, sondern ein notwendiges Instrument zur Lösung struktureller Ausbauprobleme“, unterstreicht Wachutka. „Sie schaffen digitale Chancengleichheit zwischen Stadt und Land und sorgen dafür, dass auch wirtschaftlich schwierigere Regionen Zugang zu modernster Infrastruktur erhalten.“

Gerade deshalb braucht ein flächendeckender FTTH-Ausbau nachhaltige und ausgewogene Finanzierungsmodelle. Während Anschlüsse in dicht besiedelten Gebieten vergleichsweise kostengünstig  umgesetzt werden können, liegen die Kosten in ländlichen Regionen oft um ein  Vielfaches höher. Entscheidend ist ein Gesamtsystem, das wirtschaftlich starke und strukturell benachteiligte Regionen gemeinsam betrachtet.

Glasfaser ist moderne Grundinfrastruktur

Glasfaser ist längst mehr als ein Telekommunikationsthema. Sie gehört heute zur kritischen Infrastruktur – vergleichbar mit Strom, Wasser, Kanal oder Verkehr. Ohne flächendeckende FTTH-Versorgung verliert Österreich an Wettbewerbsfähigkeit, Standortattraktivität und digitaler Souveränität.

Ob Unternehmen neue Standorte erschließen, Gemeinden digitale Verwaltungsangebote bereitstellen,  Tourismusbetriebe den Erwartungen ihrer Gäste erfüllen  oder ländliche Regionen moderne Arbeitsmodelle ermöglichen: all das hängt zunehmend von leistungsfähigen und ausfallsicheren Netzen ab.

„Glasfaser ist das Rückgrat einer resilienten und wettbewerbsfähigen Volkswirtschaft“, macht Wachutka deutlich. „Es geht nicht um ein technisches Komfortprodukt, sondern um jene Infrastruktur, auf der regionale Entwicklung, moderne Verwaltung und wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit aufbauen.“

Open Access stärkt Nutzung und Refinanzierung

Neben dem Ausbau selbst muss die tatsächliche Nutzung stärker in den Mittelpunkt rücken. Denn Glasfaser entfaltet ihren volkswirtschaftlichen Nutzen erst, wenn Haushalte, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen auch aktiv auf diese Infrastruktur umsteigen.

Offene Glasfasernetze sind dafür ein zentraler Hebel: Sie ermöglichen mehreren Internet-Dienstanbietern den Zugang ohne Mehraufwand, erhöhen die Auswahl für Kundinnen und Kunden und stärken den Wettbewerb. Gerade bei hohen Errichtungskosten und langen Amortisationszeiträumen ist eine bessere Netzauslastung entscheidend für die Refinanzierung.

„Österreich braucht nicht nur schnelleren Glasfaserausbau, sondern eine Glasfaserstrategie, die Ausbau, Nutzung, Open Access und langfristige Betriebskosten gemeinsam denkt“, fasst Wachutka zusammen. „Gebaut ist noch nicht genutzt – und billig errichtet ist noch nicht nachhaltig finanziert.“

Foto, Abdruck honorarfrei
DI Martin Wachutka, Vizepräsident der Open Fiber Austria, © OFAA  

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Open Fiber Austria

Open Fiber Austria ist eine 2021 gegründete Non-Profit-Organisation, deren Mission es ist, leistbare und höchst zuverlässige Glasfaserinfrastrukturen für Endkunden, sowie für private und öffentliche Institutionen, flächendeckend in ganz Österreich, zu schaffen. Das hinter der Organisation stehende kompetente Team aus Experten mit langjähriger IT- und Telekomexpertise wird seit April 2022 von comm:unications in der Öffentlichkeitsarbeit unterstützt. Ziel dabei ist es, die Vorteile von offenen Glasfasernetzen – der Endkunde hat dabei die freie Wahlmöglichkeit beim Diensteanbieter – in der Öffentlichkeit und bei Stakeholdern zu transportieren.

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Gründung: 2021
Headquarters: Wien
Präsident: Igor Brusic

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