Im Bundesbudget wurde das Ziel einer flächendeckenden Gigabitversorgung bis 2030 auf 90 Prozent reduziert. Vorstand und Beirat der Open Fiber Austria sehen darin ein falsches Signal für den Glasfaserausbau, für Investitionen und für den Wirtschaftsstandort Österreich.
In einem offenen Brief an Vizekanzler Andreas Babler fordert die OFAA, vor einer Senkung der Ausbauziele zunächst alle verfügbaren Maßnahmen auszuschöpfen und gemeinsam mit der Branche eine klare Vorwärtsstrategie zu entwickeln.
Lesen Sie hier den offenen Brief im Wortlaut:
Gigabit 2030 darf kein Rückschritt werden
Sehr geehrter Herr Vizekanzler,
„Eine leistungsfähige Kommunikationsinfrastruktur ist eines der wichtigsten Fundamente für eine erfolgreiche Digitalisierung“ – das ist Ihre Aussage aus dem Oktober 2025. Damals bekannten Sie sich zur flächendeckenden Versorgung Österreichs mit symmetrischen Gigabit-Anschlüssen bis Ende 2030.
Umso überraschender ist, dass das Bundesbudget für 2030 weniger als ein Jahr später nur noch einen Zielwert von 90 Prozent vorsieht. Diese Abkehr vom bisherigen Ziel braucht nicht nur eine nachvollziehbare Begründung, sondern auch eine überzeugende Strategie, wie und bis wann die verbleibenden 10 Prozent in den nächsten Jahren erreicht werden können.
Die Senkung der Ausbauziele sendet ein falsches Signal an die Telekommunikationsbranche, Gemeinden, Netzbetreiber und Investoren. Glasfasernetze brauchen langfristige Planungssicherheit und verlässliche politische Rahmenbedingungen. Bleiben diese Faktoren – wie etwa die Frage, wie es mit den Breitbandförderungen weitergeht – ungeklärt, werden Investitionen gebremst, Projekte verzögert und der Wirtschaftsstandort substanziell geschwächt.
Als Begründung für die Reduktion wird der verhaltene eigenwirtschaftliche Ausbau angeführt. Die Konsequenz daraus darf jedoch nicht sein, die Ambitionen zu senken. Stattdessen müssen bestehende Hürden beseitigt, bessere Rahmenbedingungen geschaffen und Lösungen gemeinsam mit der Branche weiterentwickelt werden.
Der Glasfaserausbau funktioniert dort erfolgreich, wo eigenwirtschaftliche Investitionen und gezielte öffentliche Förderungen ineinandergreifen.
Die vom Ministerium beauftragte Zwischenevaluierung der Breitband Austria 2030 bestätigt dieses Zusammenspiel ausdrücklich: Förderungen ermöglichen zusätzliche 12 bis 15 Prozent der Anschlüsse. Gleichzeitig beziffert die Studie den noch erforderlichen Förderbedarf zur Schließung der verbleibenden Wirtschaftlichkeitslücke auf mindestens 800 Millionen Euro.
Wie hoch die Nachfrage gerade in jenen Regionen ist, in denen der Ausbau ohne Förderung nicht stattfindet, zeigt die beiliegende Auswertung.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die entscheidende Frage: Welche Haushalte, Unternehmen, Organisationen und Regionen sollen künftig von der Versorgung mit einer zukunftsfähigen digitalen Infrastruktur ausgeschlossen und damit langfristig unterversorgt bleiben?
Digitale Infrastruktur ist heute Teil der Daseinsvorsorge. Eine glaubwürdige Strategie für digitale Souveränität kann nicht darin bestehen, Teile Österreichs dauerhaft zurückzulassen.
Während der Ausbau in vielen ländlichen Regionen Fortschritte ermöglicht hat, bestehen in Städten weiterhin erhebliche Hindernisse beim Zugang zu Gebäuden und bei der Verkabelung bis in die Wohnungen.
Bevor Ausbauziele gesenkt werden, sollten daher alle verfügbaren Maßnahmen ausgeschöpft werden. Viele davon erfordern keine zusätzlichen Budgetmittel, sondern klare politische Zielsetzung, Entscheidungen und verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen.
Aus Sicht der Open Fiber Austria sind insbesondere folgende Schritte erforderlich:
- Planungssicherheit durch abgesicherte Breitbandförderung und Verwendung der Rückflüsse zweckgebunden für neue Ausbauprojekte.
- Schnellere und einfachere Genehmigungs-, Förder-, und Bauverfahren.
- Einen klaren und raschen Rechtsrahmen für offene Glasfasernetze in Bestands- und Neubauten.
- Politische Klarheit und Planungssicherheit für Investoren.
- Eine stärkere Unterstützung von Open-Access- und Wholesale-only-Netzen, weil sie den Wettbewerb fördern, zu einer höheren Nutzung bestehender Netze führen und wirtschaftlich nicht tragfähige Überbauungen verhindern.
Sehr geehrter Herr Vizekanzler,
Österreich braucht beim Glasfaserausbau keine niedrigeren Ziele, sondern eine entschlossene Vorwärtsstrategie. Die Open Fiber Austria lädt Sie daher gerne zu einem Dialog mit der Branche ein und bringt dabei ihre fachliche Expertise und konkrete Lösungsvorschläge ein. Gemeinsam können wir bestehende Hürden abbauen, Investitionen stärken und den Weg einer flächendeckenden Gigabitversorgung konsequent fortsetzen.
Wien, am 22.07.2026
Mit freundlichen Grüßen
Der Vorstand und Beirat der Open Fiber Austria