5. Mai 2022, WKO, Wiedner Hauptstraße 63, 1045 Wien
Unter dem Motto „Synergien durch Kooperationen – wir schaffen gemeinsam
mehr!“ lief die diesjährige FiberEnquete 2022 mit hochkarätigen Business
Talks und einer Reihe spannender Vorträge über die Bühne.
Zweite Breitbandmilliarde feuert den Glasfaserausbau weiterhin an
Die Bundesregierung bekennt sich zum Ziel, Österreich zu einer der führenden
Digitalnationen in der EU zu machen. Fjodor Gütermann, stellvertretender Leiter
Breitbandbüro im Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus:
„Der deklarierte Plan bis 2030 ist es, eine flächendeckende Verfügbarkeit von festen und
mobilen Gigabit-Anschlüssen zu schaffen und dabei eine digitale Kluft zwischen Stadt
und Land zu vermeiden. Insgesamt stehen im Fördertopf 1,4 Milliarden € als zusätzliche
Mittel bis 2026 zur Verfügung.“
Differenzierte Strategien der 3 großen Player A1, Magenta und Drei vs. Glasfaserbranche
Die drei großen Player A1, Magenta und Drei sprechen sich jedenfalls für Kooperationen
im Bereich der Infrastruktur aus. Drei sieht sich heute schon als großer Betreiber von
Fremdnetzen und freut sich über gut funktionierende Partnermodelle. Auch die übrige
Branche sieht künftig verstärkte Kooperationen im Infrastrukturbereich (Backbone, Dark
Fiber, etc.) unbedingt notwendig. Ausländische Investoren werden willkommen
geheißen, wenn dadurch ein flächendeckender Glasfaserausbau möglich ist. Igor Brusic,
Präsident der Open Fiber Austria: „Die Flächendeckung im Ausbau ist ein ganz zentraler
Punkt. Ein sogenanntes ´Cherry-Picking` soll tunlichst vermieden werden. In diesem Fall
würden nämlich entlegenere Randgebiete übrigbleiben, die durchschnittlich 15.000-
20.000 Euro je Hausanschluss kosten. Und diese dann später einmal auszubauen, wird
schwierig bis gar nicht möglich sein.“ Das Thema der Zuwanderung von ausländischen Investoren im österreichischen Glasfasermarkt wird bei Magenta eher kritisch gesehen:
„Viele Investoren kommen gerade jetzt nach Österreich, solange gute Förderungen
abgeholt werden können und wenn hohe Take-Raten gegeben sind. Langfristig sind
Take-Raten von über 40% ein Hirngespinst und das Geschäft sollte auch ohne Förderung
funktionieren“, sagt CEO Andreas Bierwirth. Das Vorhandensein von Förderungen im
ländlichen Bereich seien aufgrund der großen Zersiedelung weiterhin dringend nötig,
sind sich die Experten aus den jeweiligen Landesgesellschaften einig.
A1-Chef Marcus Grausam sieht für das aktuell große Investoren-Interesse aus dem
Ausland einen Zusammenhang mit der Zinspolitik: „Wenn die Zinsen steigen, wird es
wieder zu einer Konsolidierung kommen. Ein Investment ist nur so lange interessant,
solange das Businessmodell passt und der Investor Geld verdient. Mit niedrigen TakeRaten fliegt ein Business Case nicht.“
Standardisierung beschleunigt den Glasfaserausbau in Österreich
Der Zahl der offenen Glasfasernetze in Österreich ist stetig im Wachsen und daher ist es
erforderlich, dass Schnittstellen und Prozesse so standardisiert werden, dass alle
Stakeholder miteinander reibungslos kommunizieren können. Die Stakeholder sind in
diesem Fall Infrastrukturbesitzer, aktive Netzbetreiber, Internet Service Provider,
Unternehmen und Konsumenten. Dieser Standard ermöglicht eine schnelle, fehlerfreie
und effiziente Kommunikation zwischen den Stakeholdern. Martin Wachutka,
Vizepräsident der Open Fiber Austria: „Unsere Aufgabe in den kommenden Jahren ist es,
die Schnittstellen zu den Netzen zu definieren, abgestimmte Prozesse zwischen den
Stakeholdern festzulegen sowie eine österreichweit eindeutige und unverwechselbare
Glasfaserkennung (sogenannte „Open Acces ID“) zwischen allen Stakeholdern
umzusetzen. Die Infrastruktur soll dabei nachhaltig ausgebaut und betrieben werden.
Die Kunden in den offenen Netzen der Breitband Oberösterreich erhalten gerade oder
haben bereits eine Open Access ID. Insgesamt sind in Österreich bereits 340.000 Open
Acces IDs in Verwendung“