Die Experten der Open Fiber Austria (OFAA) führten Mitte Juni gemeinsam mit dem
Kommunalverlag ein Webinar mit sehr reger Beteiligung zum Thema
“Glasfaserausbau in Österreichs Städten und Gemeinden! Chancen,
Herausforderungen und Best Practices” durch. Auf den Punkt gebracht: Glasfaser
ist das dauerhafte und beständige Rückgrat für Menschen und Wirtschaft im Land.
Sie bietet eine unübertroffen hohe Bandbreite im Down- und Upload bei minimalen
Latenzzeiten, egal wie viele Kunden den Anschluss nutzen.
Glasfaser ist demokratisch, unglaublich schnell und stabil
DI Herbert Flatscher, Vorsitzender des Beirates der Open Fiber Austria betont die
Vorteile offener Netze: „Offene, lokal organisierte Glasfasernetze bringen den
KundInnen klare Vorteile. Sobald ein Anschluss verlegt ist, können die Kunden frei aus
verschiedenen Serviceprovidern wählen und genau jene Produkte buchen, die zu ihren
individuellen Bedürfnissen passen“.
Attraktiver Standort braucht Glasfaser
Neben der verkehrsmäßig guten Erschließung und der räumlichen Nähe zu den
MitarbeiterInnen ist die digitale Infrastruktur die entscheidende Säule für Unternehmen
geworden – egal ob Handwerk, Dienstleistung oder Landwirtschaft. Immer öfter
entscheidet die bessere digitale Leistungsfähigkeit, ob Standort A oder Standort B
gewählt wird. Zudem unterstützt der Ausbau der Glasfasernetze die Gleichwertigkeit der
ländlichen und städtischen Lebensräume und führt zu einer Wertsteigerung von
Immobilien und kommunaler Infrastruktur. Auch im aktuellen Regierungsprogramm
findet das seinen Niederschlag, da heißt es: „Belebung der Ortskerne durch den Ausbau
der Glasfaser-Infrastruktur“.
Die Nachfrage nach Glasfaseranschlüssen geht derzeit – gerade bei handwerklichen
Berufen wie Kfz-Werkstätten, in der Landwirtschaft oder in der Musikbranche, die ein
sehr schnelles Internet benötigen – durch die Decke“, erörterte Herbert Flatscher.
„Früher mussten bei Reparaturen die Autos oft über Nacht in der Werkstatt stehen
bleiben, um die hohen Datenmengen ins Auto einzuspielen. Mit Glasfaser geht das in
einer Kaffee-Länge. Und bei einer Waldviertler Bäuerin war für den Betrieb der neuen
Melkmaschine ein stabiler und synchroner Glasfaseranschluss zwingende
Voraussetzung.“
Weitere Anwendungen im Agrarbereich sind Smart Farming mit dem sehr präzisen
Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln oder die digitale Unterstützung in der OnlineVermarktung. In Arztpraxen wiederum beflügelt die Glasfaser den täglichen
Arbeitsablauf: Röntgenbilder und MRT-Scans müssen nicht mehr mühsam auf CDs
gespielt und dann verschickt werden. Das erleichtert den medizinischen Arbeitsalltag
sowohl in der Diagnose als auch in der Versorgung der PatientInnen.
Igor Brusic, Präsident der Open Fiber Austria zu den klar messbaren Vorteilen von
Glasfaser: „Hier bekommt man das, was man bestellt – keine vagen ‚bis zu‘-
Versprechen. Hier schwankt die Leistung nicht, nicht einmal zu Stoßzeiten, wenn alle
gleichzeitig Filme streamen und Fußball schauen. Glasfaser ist symmetrisch – also
gleich schnell im Upload wie im Download.”
Wettbewerb in offenen Netzen
Igor Brusic und Herbert Flatscher strichen bei diesem Webinar einmal mehr die
Bedeutung von offenen und demokratischen Glasfasernetzen hervor. „Die
Wahlmöglichkeit für den Endkunden ist essenziel. Der Wettbewerb muss am Netz
stattfinden, um attraktive Inhalte zu schaffen. Die Endkunden sollen dann aufgrund der
Innovationen und der Preise eine Auswahl unter mehreren Anbietern treffen.“
Ökologie und Nachhaltigkeit bei Glasfaser
Auch in den Bereichen Nachhaltigkeit und Energieeffizienz punkten die Glasfasernetze –
diese sind auf Generationen hin ausgerichtet, brauchen extrem wenig Energie, und die
Leitungen sind bestens dokumentiert, das ist entscheidend für den Betrieb und die
Wartung dieser Netze.
Glasfaser ist zukunftssicher und günstig, im Gegensatz zu den alten Kupferleitungen.
Geht es nach der EU-Kommission, soll ab 2030 nur mehr Glasfaser in Betrieb sein –
Kupferleitungen sollten bis dahin nur mehr im Museum zum Bestaunen sein. Im
Realbetrieb schaut es jedoch anders aus, da rangiert Österreich im Europa-Vergleich
leider nur „unter ferner liefen …“ Laut FTTH Council Europe (Stand September 2024)
kann hierzulande rund die Hälfte der Haushalte auf Glasfaser zugreifen. Just die
jüngsten EU-Mitglieder wie Bulgarien und Rumänien haben hingegen eine Verfügbarkeit
deutlich jenseits der 90 Prozent.
Im aktuellen Regierungsprogramm findet sich zwar keine verbindliche Angabe zum
landesweiten Glasfaserausbau. „Laut den Zielen der EU-Kommission sollen aber bis
2030 flächendeckend 1 Gbit/s zur Verfügung stehen, wobei aber Technologieneutralität
gilt”, so Brusic. Zu einem möglichen Förderstopp für den Ausbau sagt OFAA-Präsident
Igor Brusic: „Eine zeitliche Verschiebung der Auszahlung der 150 Mio. Euro aus dem 3.
Call des Breitband-Ausbauprogramms 2030 wäre noch verkraftbar. Ein kompletter
Ausfall dieser Mittel hingegen würde den Ausbau spürbar verzögern.“